Landesschule Pforta. Begabtenförderung im Internatsgymnasium seit 1543, <www.landesschule-pforta.de>.

Zu Gast auf der Jahresversammlung der Leopoldina

Drei Tage aktuelle Forschung hautnah erlebt

F. Hennig Die "Deutsche Akademie der Naturforscher – Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften" ist die älteste Vereinigung deutscher Akademiker. So ist es nicht sehr überraschend, dass viele Nobelpreisträger und andere herausragende Persönlichkeiten unter den Mitgliedern zu finden sind. Alle zwei Jahre trifft sich ein Großteil dieser Mitglieder bei der sogenannten Jahresversammlung. Dort wird der aktuelle Forschungsstand aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen in Vorträgen von renommierten Forschern zu einem übergeordneten Themengebiet präsentiert.
Bei der Leopoldina Normalerweise ist die Teilnahme an dieser Versammlung nur Mitgliedern der Leopoldina gestattet. Dieses Jahr hatten auch erstmals 70 Schüler aus ganz Deutschland durch Erlangen eines Stipendiums die Möglichkeit, bei dieser Tagung mit Spitzenforschern in Kontakt zu treten und sich während der Vorträge unauffällig unter die ungefähr 600 anwesenden Mitglieder zu mischen. So konnten wir, Floriane und Thoralf, als zwei dieser 70 Schüler, vom 02. bis zum 04. Oktober 2009 in Halle/Saale an der Jahresversammlung der Leopoldina, die unter dem Thema "Computermodelle in der Wissenschaft – zwischen Analyse, Vorhersage und Suggestion" stehen sollte, teilnehmen.
Ausgefüllt waren diese Tage mit sehr eindrucksvollen und aufschlussreichen Vorträgen aus nahezu allen modernen Wissenschaftsbereichen. Beispielsweise wurde uns in einen Vortrag über die Visualisierung der speziellen und allgemeinen Relativitätstheorie gezeigt, wie es aussehen würde, mit 80 % Lichtgeschwindigkeit durch die historische Innenstadt Tübingens zu fliegen und anschließend durch ein hypothetisches Wurmloch auf den Mond zu springen. Bei einem Vortrag über Brain-Computer-Interfacing konnten wir sehen, wie durch die bloße "Kraft der Gedanken" ein Brief verfasst werden konnte, indem ein computergesteuerter Entschlüsselungs-mechanismus die Signale von Gehirnströmen in Buchstaben auf einem Bildschirm übersetzte.
Im Gegensatz zu theoretisch orientierten Vorträgen, beispielsweise aus dem Themengebiet Quantenmechanik von Professor Dr. Joachim Sauer – dem Ehemann von Dr. Angela Merkel –, gab es auch sehr praxisnahe Vorträge, zum Beispiel aus dem Bereich der Medizin. Hier wurden Computermodelle entwickelt, um bei der operativen Entfernung von Tumoren verhindern zu können, dass umliegende Gewebe und Organe allzu stark beschädigt werden.
Absolute Spitzenforschung wurde uns auch durch Vertreter des weltweit führenden Klimaforschungsinstituts in Hamburg bezüglich der so bekannten Klimaprognosen näher gebracht. Dabei reichte die Änderung einiger weniger Parameter aus, um aus unserem Planeten einen einzigen Schneeball werden zu lassen.
Bei der Leopoldina Neben den Vorträgen boten sich uns während der drei Tage viele günstige Situationen, mit den prominenten Rednern und Mitgliedern der Leopoldina ins Gespräch zu kommen. Neben direkten Fragen, die den Redner selbst hinsichtlich ihrer Vorträge gestellt werden konnten, ergaben sich bei einem Kaffee auch oft zufällig die interessantesten Gespräche, bei denen wir nicht nur etwas über die neusten Forschungsergebnisse der jeweiligen Person erfahren konnten, sondern im Einzelfall auch über ihre letzte Weltraummission. Darüber hinaus wurde für uns Stipendiaten eine Diskussionsrunde mit ausgewählten Forschern organisiert, die am Ende sogar Studienempfehlungen und eine individuelle Beratung möglich machte.
In der kurzen vortragsfreien Zeit sorgten vielseitige Exkursionen für Abwechslung. Im Wissenschaftszug "Expedition Zukunft" konnten so aktuelle und zukünftige naturwissenschaftliche Ansätze überblickt werden. Der Besuch der physikalischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle oder des Universitätsklinikum sorgten zudem für eine noch größere Praxisnähe. Im Klinikum konnten wir neben der Messung unseres biologischen Alters zum Beispiel auch noch künstliche Herzklappen in die Hand nehmen und ein Operationsvideo einer Bypassoperation sehen. Die physikalische Fakultät bot währenddessen zum einen die Möglichkeit, sich in das Magnetfeld eines großen Elektromagneten begeben können, für dessen Kühlung täglich mehrere hundert Liter flüssigen Heliums zur Verfügung stehen müssen, und zum anderen, sich im Fachbereich Oberflächenphysik die Arbeitsweise eines Rastertunnelmikroskops live mit anzusehen und dessen Spitze beim Flug über die zu scannende Oberfläche zu beobachten.
Die Abende ließen wir dann in zufällig gefundenen Grüppchen sowie ebenso spontan gefundenen Lokalen eher ruhig, aber mit angeregten Unterhaltungen in der Hallenser Innenstadt ausklingen. Abschließend können wir also sagen, dass dieses überaus erlebnisreiche und interessante Wochenende ein voller Erfolg für uns war.
© 2009 Landesschule Pforta. Text: F. Hennig, T. Thamm (beide 12n). Fotos: Julia Janecek, T. Thamm