Festrede zur Immatrikulation 2010
von
Bernd Westermeyer (rec. port.)
Wir schreiben den 4. August des Jahres 2010 n. Chr. In ganz Sachsen-Anhalt genießen die Schülerinnen und Schüler den letzten Tag ihrer Sommerferien. In ganz Sachsen-Anhalt? Nein, ein von außergewöhnlichen Jugendlichen aus ganz Deutschland bevölkertes Schuldorf lässt es sich heute nicht nehmen, die eigenhändige Immatrikulation seiner 85 neuen Pfortenserinnen und Pfortenser feierlich in einer fast 900 Jahre alten Zisterzienserkirche zu zelebrieren. Die fröhlichen und bildungslustigen Alt-Pfortenserinnen und -Pfortenser, welche sich neugierig vor allem im nordöstlichen Seitenschiff drängen, fürchten tatsächlich einzig, dass ihnen der Himmel in Gestalt einer versäumten Immatrikulationsfeier auf den Kopf fallen könnte. ...
Den gerade Neugierde halber verifizierten legendären Bekanntheitsgrad von Asterix & Obelix hat die Landesschule Pforta noch nicht erreicht. Unser heutiges Tun und unser Internatsgymnasium sind in der Tat aber wohl ebenso ungewöhnlich und einzigartig, wie das weltberühmte Dorf der unbesiegbaren gallischen Comic-Helden.
Schulpforta und seine vielfältigen Traditionen weichen in vielerlei Hinsicht von gängigen Schemata ab, und dieser Umstand bedarf einiger Erklärung. Entsprechend kommt es anlässlich der Immatrikulationsfeier dem amtierenden rector portensis zu, die Landesschule und Facetten ihrer pädagogischen Arbeit aus immer neuen Perspektiven vorzustellen.
In diesem Jahr möchte ich noch vor der Gründung unserer Landesschule im Jahre 1543 ansetzen und darf zunächst einladen, mir in das frühe 16. Jahrhundert, in die Zeit der Reformation, zu folgen. Ich möchte Ihnen und Euch einen nur 1,50 m messenden Großen vorstellen: Philipp Melanchthon, genannt "Graeculus" – "das Griechlein".
Wissbegierig und sprachbegabt schreibt sich Philipp 1509 bereits als Zwölfjähriger an der Universität Heidelberg ein. Drei Jahre später wechselt er nach Tübingen, und schon mit 16 Jahren legt er dort die Magisterprüfung ab. 1518, er ist gerade 21 Jahre alt, erhält Philipp Melanchthon einen Ruf an die noch junge Universität Wittenberg. Er soll dort eine Griechisch-Professur übernehmen. Melanchthons Berufung durch Kurfürst Friedrich den Weisen stößt an der Wittenberger Universität allerdings auf Protest, dem sich zunächst auch Martin Luther anschließt. Man will einen erfahrenen Wissenschaftler und keinen Berufsanfänger. Durch seine Antrittsvorlesung lassen sich Kollegen und Studenten jedoch zu Beifallsstürmen hinreißen. Melanchthon formuliert ein Bildungsprogramm, das ihm später zu Recht den Titel "Praeceptor Germaniae" – "Lehrmeister Deutschlands" – einbringt.
"Ad fontes" – "zurück zu den Quellen". Dies möchte Melanchthon an den protestantischen Universitäten durchsetzen. Das Studium der Alten Sprachen – Griechisch und Latein – erscheint ihm unabdingbar notwendig, um etwa philosophische Texte im Original lesen und verstehen zu können. Letzteres wiederum wünscht er sich nicht allein für die Theologie, sondern auch für die Rechtswissenschaft und die Naturwissenschaften. Von Beifall begleitet, sagt Melanchthon in seiner Antrittsvorlesung u. a. Folgendes:
"Denn das ist allerdings meine Meinung, dass niemand sich in der Gottes- oder Rechtsgelehrtheit, in der Kirche oder vor Gericht, wird auszeichnen können, der sich nicht zuvor eine gründliche allgemeine Bildung – und nichts anderes bedeutet die Philosophie – angeeignet hat. Die Philosophie ist kein bloßer Zeitvertreib, kein Tändeln mit Nichtigkeiten. Sucht Euch vom Besten das Beste heraus, und nutzt es für die Kenntnis der Natur und der Bildung Eurer Sitten! [...] Vor allen Dingen aber lernt die Geschichte kennen. Sie lehrt Euch, was schön ist und was schimpflich, was Nutzen bringt und was nicht."
Ausgehend von der Wittenberger Universität startet Melanchthon unter dem ebenso einfachen wie prägnanten Motto "Lesen lernen" in den folgenden Jahren ein beispielloses Bildungsprogramm, das auf das ganze Deutsche Reich zielt – Bildungsföderalismus ist bezeichnender Weise nicht angedacht. 1526 gründet er in Nürnberg mit der "Oberen Schule" zunächst das erste deutsche Gymnasium. 11 Jahre später formuliert er dann zu Schmalkalden die an die weltliche Obrigkeit gerichtete und von einigen Fürsten aufmerksam registrierte Bitte, säkularisierte Klostergüter zum Besten von Kirchen und Schulen zu verwenden. Auf diese Weise gibt er bereits ein halbes Jahrzehnt vor der eigentlichen Gründung durch Kurfürst Moritz von Sachsen den entscheidenden Anstoß für die Einrichtung der sächsischen Landeschulen in Pforte, Meißen und später in Grimma.
Für Melanchthon, den Bildungsreformer und Schulgründer, ist das bereits angesprochene Lesen keine Kulturtechnik unter anderen. Die Fähigkeit zu Lesen – laut PISA-Studie auch im Deutschland der Gegenwart keine Selbstverständlichkeit – ist für ihn der Schlüssel zur Bildung schlechthin. Wer lesen, wer sich den Sinn komplexer Texte erschließen kann, der vermag sich selbst ein Urteil zu bilden. Der im humanistischen Geist erzogene Gelehrte Melanchthon ist überzeugt, dass eine solche Mündigkeit und Urteilsfähigkeit dadurch auf den Weg gebracht und gefördert wird, dass schon Kinder Bekanntschaft mit Büchern machen. Melanchthons Einsatz dafür, dass möglichst viele Menschen lesen lernen, zielt konsequenter Weise nicht ausschließlich auf die Lektüre der Bibel. Der ideale Bücherkanon, an dem er Zeit seines Lebens arbeitet, zeichnet sich stattdessen durch eine überraschend große Vielfalt aus.
Doch Melanchthon gibt nicht nur Anstöße für die Auswahl wesentlicher Lerninhalte. Er widmet sich auch dem Prozess des Lernens selbst und setzt Maßstäbe, die an der Landesschule Pforta über Fächergrenzen hinweg bis in die Gegenwart nachwirken: Melanchthon möchte Schüler und Studenten zum Beispiel in die Lage versetzen, Ihr Denken zu entfalten, indem sie ihre mündliche Ausdrucksfähigkeit auszuschöpfen lernen. Zugleich dringt er darauf, sie zu befähigen, komplexe Sachverhalte auf elementare Einsichten zu reduzieren:
"Ob ich etwas begriffen habe, das zeigt sich daran, ob ich das, was ich begriffen habe, anderen mitteilen kann. Und man muss es verstehen können: das ist nicht nur eine Sache der Höflichkeit, sondern Ausdruck dafür, dass man den anderen Menschen anspricht und ernst nimmt."
450 Jahre nach seinem Tod ist Philipp Melanchthon im Gegensatz zu Martin Luther fast vergessen. Das humanistische Gymnasium im Allgemeinen sowie die Landesschule Pforta im Besonderen und damit die heutige Immatrikulationsfeier hätte es ohne Philipp Melanchthon jedoch wohl niemals gegeben. Grund genug, heute an exponierter Stelle an das Wirken dieses außergewöhnlichen Menschen zu erinnern, dem besonders wir Pfortenserinnen und Pfortenser zu Dankbarkeit verpflichtet sind.
Der letzte Satz gibt mir zwei Stichwörter für den zweiten Teil meiner Ansprache, der ausgehend von der Gegenwart in die Zukunft weisen soll: Ich nannte Melanchthon einen "außergewöhnlichen Menschen" und sprach davon, dass er "Dankbarkeit" verdiene.
"Außergewöhnlich" seid zunächst auch Ihr, unsere Neu-Pfortenserinnen und Neu-Pfortenser, die Ihr nach langen Monaten des angespannten Wartens nun endlich in Schulpforte eingetroffen seid und im südlichen Querhaus vor mir sitzt. "Außergewöhnlich" durchaus, weil Ihr im Rahmen eines bundesweiten Auswahlverfahrens aus einer Vielzahl leistungsstarker Bewerberinnen und Bewerber ausgewählt wurdet. "Außergewöhnlich" vor allem aber deshalb, weil sich hinter jedem Eurer Gesichter ein einzigartiger Mensch verbirgt. Wir alle – Schülerschaft, Kollegium und Mitarbeiter – sind neugierig auf die Talente, die Ihr Neuen in unsere Schulgemeinschaft einbringen werdet und in Schulpforte weiter entwickeln könnt. Im Sinne wahrer Begabungsförderung hoffen wir außerdem, dass Euch die anstehenden intensiven Jahre in Schule und Internat Gelegenheit geben werden, auch bislang noch unbekannte Stärken zu entdecken und Euer Potential in Bescheidenheit glücklich (!) zur Entfaltung zu bringen.
"Dankbarkeit" verdienen neben Melanchthon heute vor allem Sie, die Eltern. Sie haben Ihre Kinder nicht einfach nur in die Welt gesetzt, sondern sich bemüht, sie zu fördern: Sei es durch den Kauf eines Musikinstruments statt eines MP3-Players, durch spannende Bücher statt einer Playstation oder auch durch gute Gespräche und gemeinsam aktiv gestaltete Freizeit.
Sie, liebe Eltern, vertrauen uns heute offenbar hellwache, im besten Sinne "aufgeweckte Kinder" an, aber Ihre Kinder vermöchten in Schulpforte wenig ohne Ihre fortgesetzte Begleitung und Unterstützung. So darf ich Sie auffordern und ermutigen, sich in den kommenden vier Jahren als Partner der Landesschule zu fühlen, unser konsequentes erzieherisches Wirken vor Ort mitzutragen und sich mit Ihren Ideen engagiert einzubringen. Auf diese Weise werden Sie den wichtigen Kontakt zu ihren Kindern besser halten können und uns bei unserer mitunter durchaus fordernden pädagogischen Arbeit helfen.
Liebe Neu-Pfortenserinnen und Neu-Pfortenser, mit Blick auf die für mich recherchierbaren Erfahrungen der letzten 467 Jahre werden Euch die kommenden vier Schuljahre nachhaltig prägen, Eure individuellen Persönlichkeiten formen. Solange Ihr die für alle Glieder unserer Gemeinschaft verbindlichen Spielregeln und Umgangsformen einhaltet, wird Euch die Landesschule des 21. Jahrhunderts allerdings kein weiterführendes Idealbild aufzwingen, sondern vielmehr herausfordernde Impulse geben. Konkret bedeutet dies, dass wir in Schule und Internat mannigfache pädagogische Freiräume eröffnen, die es von Eurer Seite verantwortlich zu gestalten gilt, dass wir im täglichen Miteinander immer wieder provokante Denkanstöße formulieren und dass wir als vielseitiges Kollegium nicht nur in politischen Fragen unterschiedlichste Orientierungsangebote machen.
Unser gemeinsames Ziel besteht ausdrücklich nicht darin, numerus clausus-fixierte Hochleister mit standardisierten stromlinienförmigen Einstellungen zu erziehen und auszubilden. Selbstverständlich geht es uns Lehrerinnen und Lehrern zunächst darum, dass Ihr Euch aktiv (!) ein möglichst breit angelegtes Grundlagen- und Orientierungswissen aneignet. Darauf aufbauend werden wir uns jedoch in allen Fächern bemühen, Euch immer wieder neu zu eigenständigem Denken anzuregen. Eure gesellschaftliche Partizipation als urteilsfähige, d. h. mündige Bürgerinnen und Bürger wird entscheidend davon abhängen. Im Zentrum unserer Arbeit schließlich steht das Ziel, Euch stark zu machen und zur Entfaltung Eurer individuellen Persönlichkeit zu ermutigen. Selbstbewusstsein und Mut werdet Ihr in Schulpforte brauchen – gilt es doch, in der intensiven Auseinandersetzung mit anderen Menschen und Ideen eigenständig unverzichtbare Werte zu identifizieren, entsprechende Überzeugungen zu entwickeln und diese mit Rückgrat dann auch zu leben.
Dem gerade umrissenen, zugegebener Maßen hohen Anspruch trägt der der griechischen Antike entlehnte Leitspruch der Landesschule Pforta ausdrücklich Rechnung. Er fußt notwendiger Weise auf einem positiven Menschenbild und lautet: "Gnothi seauton" – "Erkenne Dich selbst!" oder freier nach Nietzsche: "Werde, der Du bist!"
Liebe Neu-Pfortenserinnen und Neu-Pfortenser, bewahrt diesen Leitspruch in Eurem Herzen, um Euch als Menschen ein Leben lang Eurer Würde, Einzigartigkeit und Freiheit zu vergewissern. Diese Einzigartigkeit in Freiheit und mit Würde entdecken und leben zu dürfen, ist keinesfalls selbstverständlich, und es ist unser aller Aufgabe, als geschichtsbewusste Menschen wachsam dafür zu sorgen, dass dieses Recht in Deutschland und anderswo niemals wieder in Frage gestellt wird.
Zweifellos liegen die Unsicherheiten und Ängste, die sich hinter vielen Eurer Gesichter verbergen, am heutigen Tage auf einer viel realeren persönlichen Ebene. Unterscheidet sich der Wechsel an die Landesschule Pforta doch grundlegend von normalen Schulwechseln, z. B. innerhalb des Heimatortes. Wer die Landesschule Pforta besucht, muss nicht allein die Schultasche, sondern auch die Koffer packen und umziehen! Zum ersten Mal wird vielen von Euch dabei deutlich geworden sein, wieviel Kleidung, wie viele Bücher, CDs, Poster und mehr oder weniger unverzichtbaren Krimskrams Ihr besitzt.
Und plötzlich stellen sich ungewohnte Fragen: "Was muss unbedingt mit und passt in den Koffer bzw. den Kofferraum?" Oder noch zutreffender: "Was vermag ich im Internatszimmer unterzubringen, und wie groß ist mein Internatsschrank? Habe ich überhaupt einen richtigen Schrank? Mit wie vielen Leuten werde ich mein Zimmer teilen müssen? Was, wenn jemand schnarcht oder zur Unzeit laut die falsche Musik hört? Was, wenn alle ununterbrochen lernen, um wieder zu den Besten der neuen Klasse zu gehören?"
Dann die Familie und Freunde: "Werde ich die Trennung von meinen Eltern und Geschwistern aushalten? Werde ich (anders als zwei Drittel aller Männer und 47% aller Frauen zwischen 18 und 26 Jahren) abseits des mütterlichen Koch- und Wasch-Services überleben können? Werden die kleinen Geschwister die Finger von meinen Schätzen lassen, wenn ich nicht zu Hause bin? Werde ich meine alten Freundschaften erhalten können? Vom Zimmer aus 'online' zu 'chatten' scheint offenbar nicht möglich zu sein, und Handy-Funklöcher soll es ja selbst in Sachsen-Anhalt geben."
Zu guter Letzt die Schule: "Wie heißt das deutsche Hogwarts denn nun richtig: Schulpforta oder Schulpforte? Das scheint dort auch niemand so recht zu wissen. – Lernen da also wirklich nur Überflieger? Und leben die ohne 'Shopping Centres', Döner-Buden und Diskos eigentlich auch?"
Die Liste der Fragen aus Schülersicht ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Echte Unsicherheiten und Sorgen drücken andererseits Sie, die Eltern und Familien, die heute gewiss mit gemischten Gefühlen nach Schulpforte gereist sind: "Werden wir uns irgendwann darüber freuen, dass unser Kind das sichere Elternhaus auf eigenen Wunsch bereits vier Jahre vor dem Abitur und dem nachfolgenden Studium verlässt? Wird unser Kind den bekannter Maßen hohen Anforderungen an der Landesschule Pforta gewachsen sein und dort zugleich glücklich werden können? Werden wir uns von zu Hause ausreichend kümmern können, wenn es tatsächlich doch einmal Probleme geben sollte? Können wir uns darauf verlassen, dass unser Kind in Schulpforte behütet und geborgen leben und lernen kann?"
Ein behütetes Umfeld und Geborgenheit wird Ihr Kind in Schulpforte finden. Pauschale Antworten auf die anderen beispielhaft aufgeworfenen Fragen vermag hier und heute jedoch niemand zu geben. Vieles muss und wird die Zeit erweisen. Guten Gewissens kann ich an dieser Stelle zugleich allerdings beruhigen: Seit 1643 wurden an der Landesschule genau 20.666 Schülerinnen und Schüler gefördert. Die überwiegende Mehrzahl hat dabei ganz offenbar überaus positive Erfahrungen machen dürfen. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sie ihrer alma mater sowie auch Ihren Mitschülern und Lehrern als Ehemalige bis ins hohe Alter auf das Engste verbunden blieben und bleiben? Mit Blick in die Geschichte darf ich wohl davon ausgehen, dass auch Ihr Neulinge und Eure Familien die mutige Entscheidung für Euren Wechsel an die Landesschule Pforta rückblickend nicht bereuen werdet.
In wenigen Minuten nun werdet Ihr namentlich aufgerufen werden, Euch feierlich in unser großes Immatrikulationsbuch einzuschreiben. Auf diese Weise geht Ihr persönlich eine Bindung mit der Landesschule ein, die erst erlöschen wird, wenn im Rahmen einer herbstlichen Totenehrung dereinst auch Euer Name laut in dieser Kirche verlesen werden wird.
Mit Eurer auch noch so unleserlichen Unterschrift beurkundet Ihr heute Euren Wunsch, die Landesschule Pforta für vier Jahre zum Mittelpunkt Eures Lebens zu machen: hier gilt es ab jetzt seinen Wissensdurst zu befriedigen und gemeinsam mit anderen auf vergleichsweise kleinem Raum rücksichtsvoll zu leben!
An dieser Stelle möchte ich unterstreichen, dass Ihr Euch vom heutigen Tage an durchweg als Leistungsstipendiatinnen und -stipendiaten des Landes Sachsen-Anhalt fühlen dürft. Obschon dieses kleine Bundesland nur über sehr begrenzte finanzielle Mittel verfügt, investiert es an der Landesschule Pforta seit rund 20 Jahren nicht nur in historisch einzigartige Bausubstanz und neue Infrastruktur, sondern vor allem in Deutschlands Zukunft, in vielversprechende Jugendliche. Seid Euch des Privilegs, an diesem traditionsreichen Ort schulgeldfrei leben und lernen zu dürfen, bewusst! Zeigt uns und der Euch fördernden Gesellschaft durch Euer Verhalten in Schule, Internat und Umfeld, dass Ihr die Euch gegebenen Möglichkeiten und Freiheiten in Bescheidenheit fruchtbringend zu nutzen entschlossen seid.
Schon in wenigen Jahren werdet Ihr diese Kirche nach der Exmatrikulationsfeier mit dem Abiturzeugnis, einem Grundgesetz und einer guten Flasche Wein vom schulnahen Köppelberg in den Händen durch das Westportal verlassen. Bis dahin wird Schulpforte für Euch gewiss zu einer Stätte der Bildung werden, mit der sich unvergessliche Erinnerungen verknüpfen; zu einem guten Ort, an den man ein Leben lang zurückkehren kann, um die bereichernde Gemeinschaft mit jüngeren Schülergenerationen, alten Weggefährten sowie älteren Pfortenserinnen und Pfortensern zu genießen.
Einer persönlichen Neigung folgend gebe ich Euch abschließend einige wenige Zeilen Poesie mit auf den weiteren Schul- und Lebensweg. Mögen Euch die Gedankensplitter der Magdeburger Lyrikerin Pia-Monika Nittke im Hinterkopf begleiten und an den richtigen Stellen ermutigen, alt-bekannte Routen zu verlassen. Alternative Wege nämlich werden nur dort entstehen, wo Ihr vorangeht und sie mutig neu beschreitet.
neugier
ich bin
neugierig auf leben
möchte wissen
wie alles weitergeht
welt
mit frischen augen
betrachten
müdigkeit wegschieben
offen sein
für überraschungen
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am webteppich
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d a b e i s e i n