Pressestimmen
Frankfurter Allgemeine Zeitung (01.07.2008)
"Die Bundeskanzlerin traf nach der Sitzung des CDU-Präsidiums in Halle eine Gruppe von Menschen, die in ihren Schulen oft gemobbt werden, weil sie zu einer Minderheit gehören: so leistungsfähige wie leistungswillige Schüler.
Seit 465 Jahren werden solche unabhängig vom Einkommen der Eltern in der ehemaligen Gelehrtenschule Schulpforta in einem Ortsteil von Bad Kösen unterrichtet. Die Liste großer Namen unter den Altschülern der heutigen Landesschule Pforta ist lang – Nietzsche, Klopstock, Fichte,
Möbius, Ranke etcetera. Jeder hundertste Portenser steht im Lexikon. Während andere Präsidiumsmitglieder am Montag Unternehmen besuchten, hatte Angela Merkel Sinn für Tradition. Da begann zwar just die Klassenfahrtswoche, eine zehnte Klasse aber blieb zum Gespräch mit ihr. Einen Tag zuvor hätte sie 278 Schüler, mehr Mädchen als Jungen, und 50 Lehrer treffen können: Alle wohnen im Internat. Erst wandte die Kanzlerin sich, in der Bibliothek mit 900 Jahre alten Handschriften und Erstausgaben, dem Bewahren zu und dann im Gespräch der Zukunft der Bildung.
Pforta bietet neben dem üblichen Unterricht im Zusatzunterricht eine Vertiefung an, bei der sich Gymnasiasten entscheiden können zwischen Musik, Naturwissenschaften und klassischen Sprachen. Sachsen-Anhalt führt die Traditionslinie fort, die nur in den Jahren des Nationalsozialismus und der DDR unterbrochen wurde. (...)"
Bild, Regionalausgabe Halle (01.07.2008)
"Hoher Besuch für Sachsen-Anhalts bestes Gymnasium! Nach der CDU-Präsidiumssitzung in Halle machte Bundeskanzlerin Angela Merkel (53, CDU) gestern Station in der Landesschule Pforta (Burgenlandkreis). Eine Stunde nahm sich die Kanzlerin Zeit, um mit Schülern des Elite-Internates zu sprechen. «Das Thema Bildung liegt Frau Merkel sehr am Herzen. Und dieses Gymnasium ist ein Bildungsleuchtturm im Land», erklärt Ulf Leisner (52), stellvertretender CDU-Bundesgeschäftsführer.
Bild erklärt, warum diese Schule so klasse ist: Die Landesschule Pforta ist ein Internat, das begabte Schüler ab der neunten Klasse bis zum Abitur fördert. Jeder Schüler wählt einen Schwerpunkt: Sprachen, Musik oder Naturwissenschaften. Im Gegensatz zur normalen Schule leben alle Schüler im Internat, am Wochenende dürfen sie zu ihrer Familie. (...) Wer darf hier lernen? Im Prinzip jeder! Voraussetzungen sind gute Noten, Bereitschaft zum Leben im Internat sowie die bestandene Aufnahmeprüfung. (...) Was kostet die Schule? Schüler aus Sachsen-Anhalt zahlen ab dem Schuljahr 2009/10 jährlich 2500 Euro, alle anderen 3500 Euro. Sozialschwache Familien können von den Kosten für die bloße Unterbringung befreit werden. Wie wohnen die Schüler? Überwiegend in Zweibettzimmern, aber auch in Dreier- und Viererzimmern. 18 Schüler leben sogar allein. Wer hat schon dort gelernt? Friedrich Nietzsche (Philosoph), Friedrich Gottlieb Klopstock (Dichter), Johann Gottlieb Fichte (Philosoph), Leopold von Ranke (Historiker). (...)
Sind die Schüler alle „Streber”? (...) «Natürlich macht schon die Aufnahmeprüfung die Schule zu etwas Besonderem. Aber als Elite-Schüler würde ich uns deshalb nicht bezeichnen. Hier lernt man tolle Menschen kennen, das Angebot an verschiedenen Freizeit-Aktivitäten ist enorm», so Pauline Albrecht (16) aus Ilmenau (Thüringen).
«Ich bin kein Streber, nur weil ich hier zur Schule gehe», sagt Anna-Katharina Voigt (16) aus Sünna in Thüringen. «An unserer Schule herrscht ein angenehmes Klima, daher lernen hier die Schüler gerne. Da ich Klavier und Violine spiele und hier gefördert werde, kann ich mir vorstellen, später mal etwas mit Musik zu machen. In die Politik gehe ich jedenfalls nicht», lacht die Schülerin.
«Ich sehe es nur als etwas Besonderes an, dass meine Eltern mir die Möglichkeit geben, diese Schule zu besuchen. Hier zu lernen und zu leben, ist toll. Aber ein Streber bin ich deshalb auf keinen Fall», erzählt Carolin Falke (17) aus Arendsee (Landkreis Salzwedel), die Diplomingenieurin für Verfahrenstechnik werden möchte."
D. Decker, S. Ehrle: Warum ist diese Schule so klasse? Die Kanzlerin in Sachsen-Anhalts bestem Gymnasium, Bild, Ausgabe Halle, 01.07.2008, S. 5.
Die Welt (30.06.2008)
"Kaum hat Angela Merkel den Festakt zum 60. Geburtstag der sozialen Marktwirtschaft Mitte Juni genutzt, um die Bildungspolitik zur Chefsache zu erklären, beginnt sie auch schon mit ihren Visitationen im Bildungsbetrieb. Zwischen der Sitzung des CDU-Bundesvorstandes in Halle und dem Sommerfest der Burgenland-CDU in Naumburg besucht die Kanzlerin heute Schulpforte im Saaletal. Sie wird dort die Bibliothek sehen, in der schon Klopstock, Fichte, Nietzsche und zahllose andere Geistesgrößen brüteten, sich ins Gästebuch eintragen und mit Schülern sprechen. Und sie wird viel Geschichte begegnen (...).
(...) Schulpforte (...) ist heute das Eliteinternat Sachsen-Anhalts. Angela Merkels Forderung, «wir müssen die Bildungsrepublik Deutschland werden», ist hier weitgehend verwirklicht, die Schüler belegen in sprachlichen, musischen und mathematischen Wettbewerben regelmäßig Spitzenplätze. Das Schulgeld liegt mit bis zu 3000 Euro im Jahr für ein Internat lächerlich niedrig, und ein Stipendienwerk existiert. Damit hätte Schulpforte auch heute Vorbildcharakter – allein, welcher Bildungspolitiker könnte und wollte das flächendeckend bezahlen?"
Volksstimme Magdeburg (23.05.2008)
"(...) Wie motiviert die Schüler sind, lässt sich beim Besuch einer Deutschstunde in Stufe 11 nachvollziehen. Von 25 Schülern beteiligen sich 20 überaus rege am Unterricht. Niemand ist dauerhaft unkonzentriert. Die Landesschule Pforta, eine Ansammlung von Strebern? Das sieht man dort ganz anders. Schulleiter Westermeyer spricht von einem «Sammelbecken» für diejenigen, die an ihrer alten Schule «gemobbt wurden, weil sie etwas leisten wollen». Die 17-jährige Schülerin Antonia Morbach aus Thüringen sieht es ähnlich: «Hier wird es anerkannt, wenn man anders ist.» Anders? «Wenn man sich viel meldet«, präzisiert sie. «Die Leute bringen mehr Solidarität mit.»
In Schulpforte, wo außer der Landesschule nur noch ein paar Eigenheime stehen, sind die leistungswilligen Hochbegabten unter sich. Das idyllisch gelegene Klostergelände zwischen Naumburg und Bad Kösen ist eine abgeschiedene kleine Welt für sich.«Pforta ist das Leben», sagt Thea Gutschke. Für die 18-Jährige vielleicht noch mehr als für ihre Mitschüler. Die Elftklässlerin kann an den Wochenenden nicht nach Hause fahren. Ihre Familie lebt in Südafrika, in Kapstadt, wo ihr Vater Deutsch lehrt. Thea Gutschke ging mit 15-Jahren allein nach Sachsen-Anhalt. «Ich wollte unbedingt nach Schulpforte», sagt sie. Das aufgeweckte hübsche Mädchen, das außer in Südafrika auch im spanischen Valencia sowie in Nordrhein-Westfalen aufwuchs, hatte genug davon, inmitten von überwiegend unmotivierten Schülern lernen zu müssen: «Ich wollte mitgezogen werden und nicht immer alle mitziehen.»Thea Gutschke trägt an diesem Tag ein langes Halstuch und eine zerschlissene Jeans. Äußerlich unterscheiden sich die meisten Pfortenser nicht von anderen Jugendlichen. Auffallend ist aber, wie offenherzig sie sind. In Schulpforte müssen sie sich nicht verstellen. Hier haben sie ihresgleichen gefunden.
Wie sehr sich die Zeiten in der früheren Knabenschule geändert haben, lässt sich nicht nur an der Kleidung feststellen. Es gibt hier auch ungewöhnlich viele Liebespaare. Pforta ist das Leben, hat Thea Gutschke gesagt. Hier schließen die Jugendlichen ihre tiefsten Freundschaften, hier verlieben sie sich, nicht dort, wo die Eltern leben.
Überhaupt, die Eltern. In den wenigsten Fällen entschied ihr Wille über den Schulbesuch. Die meisten Schüler wollten selbst auf die Internatsschule. Wegen des besonderen Geistes, der dort herrscht. «Wir alle sind eine große Familie», sagt die 15-jährige Elisabeth Rusteberg.
Eine Familie mit einem engen Regelkorsett. Aufstehen, essen, Hausaufgaben machen, schlafen gehen, alles hat hier eine feste Tageszeit. Am Anfang, in der 9. Klasse, sind die Schüler vielfach geschockt über so viele Regeln. Mit der Zeit werden diese bewusst gelockert.
Bis zu 42 Wochenstunden Unterricht haben die Schüler. Dass dabei kaum Freizeit bleibt, empfinden sie nicht als Mangel. «Man hat eigentlich immer etwas Geselliges vor», sagt Thea Gutschke. Abends nach dem sogenannten Silentium – der Hausaufgabenzeit – und dem Abendbrot, wenn die Pflicht getan ist, laufen die Arbeitsgemeinschaften. Es gibt Kurse in allen möglichen Sportarten, dazu unter anderem zwei Theatergruppen, eine Literatur- und eine Foto-AG. Fast alle sind von Schülern allein organisiert. (...)"
Philipp Hoffmann: Die Welt der Leistungswilligen, Volksstimme Magdeburg, 23.05.2008.
Mitteldeutsche Zeitung, Ausgabe Wittenberg (20.12.2007)
"Falls es überhaupt eines Nachweises bedürfte, den exzellenten Leumund der Landesschule Pforta in Sachen musikalischer Bildung zu befestigen – das Weihnachtskonzert des Jugendchores in der Stadtkirche hätte ihn erbracht. Der Erfolg des Ensembles, das vor fünf Jahren den Deutschen Chorwettbewerb gewann, gründet in Probenfleiß und Ausbildungsvielfalt. (...)
Was soll man hier zuerst rühmen: Dass der Chor komplett auswendig sang, was, vom Klang ganz angesehen, einen fantastischen Kontakt zum Dirigenten ermöglichte? Das intensive Timbre im Piano, dessen Empfindsamkeit auf einem musikalischen Verständnis gründet, das weit über Chorgesang hinausweist? Die Textvermittlung, die bezeugte, dass jeder auch spürte, was er sang? Die Ausgewogenheit der Register? Oder doch, dass dies alles nur dem einen Zweck diente: der Musik und wie sie die Menschen erreicht? (...) Das alles hatte Stil, offenbarte professionelles Niveau und eine musikalische Reife, die Jugendlichen dieses Alters normalerweise nicht eignet. (...)"
Die Welt (18.12.2007)
"(...) Nach einem Tag in Schulpforta fällt es leicht, zu verstehen, wie zufrieden die Schüler sind. Vielleicht ist Schulpforta ein Modell, ein Leuchtturm, der Anstöße geben kann für das kränkelnde Schulsystem in Deutschland. «Schulpforta unterrichtet ein Wissen, das sonst gar nicht erhältlich ist», sagt Anne dann noch, «mit Menschen umgehen zu können, das nimmt man fürs Leben mit.»"
National Geographic Deutschland (Sept. 2005)
"(...) Hierher kommen Jugendliche, die an ihren Gymnasien nicht genug gefordert wurden. (...) Ich sitze beim Abendbrot im „coenakel”, wie sie hier den Speisesaal auf Lateinisch nennen, am Tisch der 13. Klasse. «Ich habe mir die Schule im Internet rausgesucht», erzählt einer. «Die hat einen tollen Ruf und kostet wenig.» Ein anderer schwärmt: «Du atmest auf, wenn du hier ankommst. In meiner alten Schule war ich ein Außenseiter. Bach habe ich nur heimlich gehört.» In Pforta lernte er, dass auch andere Altersgenossen klassiche Musik lieben. Acht Instrumente werden unterrichtet, die Chöre sind vielfach prämiert. Der Sprachenzweig offeriert Spanisch, Russisch, Griechisch, Latein, Englisch, Französisch. Und im naturwissenschaftlichen Bereich stemmen die Schüler im Team Projekte, die Diplomarbeiten gleichkommen. Schule ist ihnen endlich nicht mehr langweilig. Die Lehrer am Nachbartisch machen sich schon gegenseitig Appetit auf die Neuen. «Die hängen noch richtig an deinen Lippen», jubelt eine Biologielehrerin. «Das sind Raubtiere. Wild entschlossen zu lernen.» So viel Enthusiasmus in einer Schule. Eine Verschwörung zwischen Lehrenden und Lernenden. Beinahe unheimlich. (...)"
Wolfgang Bauer: PLZ 06628. Ein Kloster für Begabte, National Geographic Deutschland, Jg. 2005, H. 9, S. 18ff.