Überblick zur Schulprogrammarbeit
Leitbild und Grundlagen für ein pädagogisches Konzept
Um die Landesschule Pforta in der Bildungslandschaft des Landes Sachsen-Anhalts klarer zu positionieren, wurde 2008 ein
Leitbild der Schule entworfen, das als Grundlage für die noch zu leistende Erarbeitung eines ausführlicheren pädagogischen Konzeptes dienen soll. Ausgangspunkt ist dabei die über 460-jährige
Tradition, begabte Schüler sowohl durch eine humanistisch ausgerichtete Allgemeinbildung als auch durch die Integration in das Internatsleben darin zu befördern, sich zu ganzheitlich gebildeten Persönlichkeiten zu entwickeln, wobei dieser Bildungsbegriff gleichermaßen intellektuelle wie auch soziale und emotionale Kompetenzen umfasst.
Zwei Aspekte dieser Traditionslinie werden in dem neuen Leitbild nun stärker hervorgehoben als bisher: Wenn man nämlich den Bildungsbegriff als dynamisches Konzept gegenwarts- und zukunftsrelevanter Kompetenzen versteht, umfasst das Bekenntnis zur Tradition zugleich auch ein Bekenntnis zur Innovation, da eine Schule bei der Vermittlung derartiger Bildung ihre Inhalte und Methoden permanent hinterfragen und bei Bedarf anpassen muss. Ferner impliziert dieser Bildungsbegriff seit alters her in hohem Maße die Förderung der Selbstständigkeit des einzelnen Schülers, und zwar nicht bloß auf einer vordergründigen Ebene alltäglicher Handlungskompetenz, sondern vor allem auch im Denken und Urteilen.
Kombiniert man die beiden Aspekte, ergibt sich daraus die Aufforderung an unsere Schule, noch stärker darauf zu schauen, wie wir in Zukunft das selbstständige Lernen unserer Schüler fördern können. Nicht nur die Universitäten erwarten von ihren Studenten diese Fähigkeit, sondern in zunehmendem Maße auch das anschließende Berufsleben, in dessen Verlauf wir immer öfter mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden. Dass wir auf diesem Gebiet nicht bei Null anfangen, bezeugen die Praktika und Facharbeiten unserer Schüler, die hohe Zahl von Belegarbeiten, die in die Abiturprüfung eingebracht werden, und nicht zuletzt die umfangreichen Freizeitaktivitäten vom Schülertheater bis zur Sprach-AG, die die Schüler vorzugsweise ohne jede Lehrerbeteiligung selbst organisieren.
Schulmotto
Auf der Suche nach einem
Schulmotto, das diese angestrebte Förderung des selbstständigen Lernens und Entwickelns der eigenen Persönlichkeit prägnant zum Ausdruck bringt, sind wir auf den Spruch
"gnothi seauton" = "Erkenne dich selbst" gestoßen, der im antiken Griechenland am Eingang des Apollonheiligtums zu Delphi angebracht war und den Philosophen Sokrates zu seiner kritischen Denkhaltung angeregt haben soll. Das konstruktive Potential des Spruches brachte später Nietzsche (al. port. 1858-1864) auf den Punkt, der ihn im Sinne von "Werde, der du bist" interpretierte.
Schulprogrammarbeit
Angesichts des Bekenntnisses zur Innovation haben wir im Sommer 2008 mit der Schulprogrammarbeit begonnen, um die Bedingungnen schulischen Lernens in Schulpforte in einem kontinuierlichen Prozess zu analysieren und zu verbessern.
Nach einer Fragebogenaktion, in der wir unsere Stärken und Schwachstellen analysierten, bildeten wir drei Arbeitsschwerpunkte, zu denen gemischt zusammengesetzte Arbeitsgruppen aus Lehrern, Schülern und Elternvertretern konkrete Verbesserungsvorschläge erarbeiten sollten: (a) Unterricht und Schulorganisation, (b) Internat und (c) Öffentlichkeitsarbeit.
Nach Sichtung der Ergebnisse der ersten Arbeitsphase wurde im Sommer 2009 entschieden, die Zahl der Arbeitskreise auf einen zu reduzieren, um Kräfte zu bündeln. Der Arbeitskreis "Unterricht und Schulorganisation" beschäftigt sich in enger Zusammenarbeit mit dem Kollegium seitdem vorrangig mit Maßnahmen, durch die das selbstständige Lernen unserer Schüler im alltäglichen Unterricht noch besser gefördert werden kann. Um diesen Prozess mit Nachdruck zu unterstützen, trifft sich das gesamte Kollegium einmal im Monat zu einer pädagogischen Konferenz.
Insgesamt konnten auf diesem Feld bereits erste Resultate erzielt werden. So ist es im Rahmen von Lernverträgen möglich, dass einzelne Schüler, die in einem Fach zur Leistungsspitze zählen, für bestimmte Unterrichtssequenzen von der Teilnahme am regulären Fachunterricht befreit werden, um sich diese Sequenz selbstständig zu erarbeiten. Ferner wurden die rechtlichen Grundlagen geschaffen, damit Teile einer Lerngruppe sich im Rahmen von Unterrichtsprojekten oder Maßnahmen zur Binnendifferenzierung den Unterrichtsraum (und damit den Aufsicht führenden Lehrer) verlassen und andere Lernorte wie z.B. das Studienzentrum aufsuchen dürfen. Als Nächstes werden wir über Einführung von Studientagen beraten.
Anerkennung als Netzwerkschule
Im Dezember 2010 wurde die Landesschule Pforta vom Kultusministerium offiziell als Netzwerkschule mit dem Schwerpunkt Begabtenförderung anerkannt. Aus dieser Bestätigung leiten sich derzeit keine materiallen oder rechtlichen Ansprüche ab. Wir sollen aber bei Angeboten und Maßnahmen des Kultusministeriums zum Thema Begabtenförderung besonders berücksichtigt und beim Abschluss von Kooperationsbeziehungen eingebunden werden.